Siemens übernimmt IT von Gerling
Tochter SBS kauft Sparte des Versicherers / Auftrag läuft sieben Jahre
Siemens betreibt künftig die Informationstechnologie des Versicherers Gerling. Die Tochter des Technologiekonzerns, Siemens Business Services (SBS), kauft dazu die IT-Sparte des Kölner Unternehmens mit etwa 280 Mitarbeitern.
Über den Preis sei Stillschweigen vereinbart worden, teilten beide Konzerne am Montag mit. Im Gegenzug erhält SBS für zunächst sieben Jahre den Auftrag, die IT von Gerling in Deutschland und weiten Teilen Europas zu betreiben. Der Outsourcing-Auftrag gilt ab sofort und hat nach Angaben von SBS ein Gesamtvolumen von 300 Millionen Euro.
Für SBS ist dies der erste Großauftrag in der deutschen Versicherungsbranche, die bislang als vergleichsweise zögerlich bei der Auslagerung ihrer IT galt?, hieß es am Montag bei Siemens. Nun macht sich SBS Hoffung auf weitere Aufträge aus der Branche und ein starkes Standbein in der Versicherungswirtschaft aufbauen. ?Der Kostendruck im Versicherungsgeschäft nimmt zu?, sagte SBS-Chef Adrian von Hammerstein. Gerling erklärte, der Konzern wolle seine IT-Kosten senken und sich auf das Kerngeschäft konzentrieren. Zu den Aufgaben von SBS gehört das Betreiben von Rechenzentren, Netzwerken und Computern. Die Gerling-IT-Tochter erwirtschaftet bislang einen zweistelligen Millionen-Jahresumsatz. Der allergrößte Teil davon ist bisher interner Umsatz, hinzu kommen in geringem Umfang Erlöse aus dem Geschäft mit Kunden außerhalb des Gerling-Konzerns. Künftig soll die Firma als SBI-IS Insurance Services GmbH firmieren.
Siemens arbeitet derzeit an einer neuen Strategie für die angeschlagene Tochter SBS. Noch immer ist offen, ob der der Konzern an der Sparte mit fast fünf Milliarden Euro Umsatz und 36 000 Mitarbeitern festhält. In den vergangenen Wochen machten Spekulationen über einen Verkauf des Geschäftsbereichs und das mögliche Zusammenführen der Sparte mit einem Partner die Runde. Der neue Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hatte die Zukunft von SBS zuletzt offen gelassen.
(Süddeutsche Zeitung, 04.05.)


Druckansicht